Interview-Verzeichnis (alle)

12. Januar 2010 · Vriendenbulletin, Heft 1 2010

Hartmut Haenchen zurück bei der Niederländischen Oper

Der fliegende Holländer

I: Gezien u langdurige aanstelling als GMD in Amsterdam is u naam bijna even onlosmakelijk met DNO verbonden als die van Pierre Audi. Na uw Tannhäuser-productie in 2007 bent u relatief lang weg geweest. In de tussentijd heeft u vele succesvolle uitvoeringen in prestigieuze operahuizen geleid, waaronder gevierde producties van Parsifal en Lady Macbeth van Mtsensk in Parijs. Kunt u iets vertellen over uw bezigheden tussen 2007 en 2009?
2007 war ich ja noch Intendant der Dresdner Musikfestspiele. Dort habe ich mich nach den Festspielen 2008 wegen weiterer Geldkürzungen (wie ja auch in Amsterdam beim NedPhO) von dem Amt zurückgezogen. 2006 hatte ich aber auch meine intensive Zusammenarbeit mit der Opera National de Paris sowohl in Opernproduktionen als auch Konzerten begonnen. Bis 2009 hatte ich 5 Produktionen (Salome, Capriccio, Wozzeck und die von Ihnen genannten Parsifal und Lady Macbeth) neben Konzertprogrammen. Neben meiner nun schon 30jährigen Tätigkeit als künstlerischer Leiter des Kammerorchesters C.Ph.E. Bach, mit dem ich als einziger Dirigent eine eigene Konzertserie im Berliner Konzerthaus und der Philharmonie habe, ist meine Konzerttätigkeit vor allem in intensiver Zusammenarbeit mit den Münchner Philharmonikern, Tonhalle Orchester Zürich, Orchestre de la Suisse Romande, Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Orchestre de Paris, Orchestre National de Radio France, Orchestre Philharmonique de Radio France, Orchestre symphonique de la Monnaie Brussel. Accademia di Santa Cecilia Rom, Königliche Philharmonie Stockholm, Philharmonie Oslo, Japan Philharmonic Orchestra, Tokyo Philharmonic Orchestra, KIOI Sinfonietta Tokyo, Orchestre symphonique de Montréal, Orchestre symphonique de la Monnaie Brussel und Radio Kamer Filharmonie deutlich erweitert. In Brussel dirigiere ich gerade einen Mahler- Zyklus und in Stockholm, Paris und Barcelona bereite ich einen Strauss-Zyklus vor. Opernproduktionen sind neben Paris in Tokyo, Madrid, London, Wien, Brussel, Kopenhagen, Toronto und Tolouse geplant bzw. schon realisiert.

II: In de productie van Lady Macbeth van Mtsensk, een herneming van de Amsterdamse productie, werkte u voor het eerst met Martin Kusej samen. Kunt u vertellen hoe u de samenwerking met hem heeft ervaren, en wat u van de naderende samenwerking bij de productie van Der fliegende Holländer verwacht?
Eine "fertige" Produktion wie "Lady Macbeth", bei der wir übrigens mit dem "Grand Prix" in Frankreich ausgezeichnet wurden, gibt wenig Raum um wirklich schöpferisch mit dem Regisseur zu arbeiten. Bei unserer Neuproduktion ist das natürlich ganz anders. Schon frühzeitig habe ich meine Wünsche und Vorstellungen über die Version (1860 - dabei wollte ich eigentlich eine Doppelpremiere mit der Dresdner Fassung habe, was von der Terminplanung leider nicht möglich war) besprochen und wir haben sowohl beim Bühnenbild als auch bei zahlreichen Details frühzeitig zusammengearbeitet. Die konkrete Arbeit am Stück selbst ist für mich eine außerordentlich erfreuliche Arbeit, da Martin Kusej sehr genau die Bemerkungen des musikalischen Partners in seine Ideen aufnimmt. Es ist im besten Sinne eine Team-Arbeit.

III: Wagner speelt binnen uw carrière een sleutelrol. U heeft alle belangrijke werken van Wagner gedirigeerd, en een belangrijk aandeel aan de wetenschappelijke bestudering van zijn muziek geleverd. Hoe beschouwt u de plaats van Der fliegende Holländer in het oeuvre van Richard Wagner, en welke rol speelt de opera in uw dirigeercarrière?
Ursprünglich wollte ich diese Oper, die ich merkwürdigerweise bis heute noch nicht dirigiert habe, schon viel früher bei DNO dirigieren. Die Produktion stand auch mit Richard Jones geplant. Leider musste ich diese Serie als Dirigent an einen Kollegen abgeben, da Richard Jones nicht bereit war, eine der 5 Fassungen von Richard Wagner zu inszenieren und er die Vorlage von Felix Mottl für seine Produktion nahm, die für mich als Mischfassung mit vielen fremden Zutaten nicht auf Wagners Ideen wirklich zurückgeht. Für mich war das keine Grundlage eines Dirigats. Somit komme ich erst jetzt in die Gelegenheit das Werk meinem sonst fast vollständigen Wagner-Repertoire zuzufügen. Aus Dresden kommend, ist mir natürlich die Geschichte des Werkes sehr vertraut und auch die Quellen aus denen es sich speist. Der hybride Charakter des Werkes, welches in der Daland-Welt noch ganz der Tradition eines Weber, Marschner, Beethoven verhaftet ist und die schon sehr harmonisch fortgeschrittene Welt des "Holländer" sind eine ähnlich spannende Aufgabe wie im Tannhäuser die Interpretation zwischen stilistischem Gegensatz und musikalischem Zusammenhang anzusiedeln.

IV: In uw essay “Lebensübernächtig” zet u de verschillende versies van Der fliegende Holländer op een rij, en besluit u met de opmerking, dat bij de Amsterdamse productie gekozen is voor de “Fassung letzter Hand”. Bij uw Tannhäuser-productie koos u ook voor de laatste bewerking. Waarom prefereert u de laatste versies boven de vroegste edities?
Wie ich schon sagte: Am liebsten hätte ich die 2. Fassung (also die Uraufführungsfassung von Dresden) der Fassung von 1860 (bei der ich übrigens noch letzte Bemerkungen von München aus dem Jahre 1864 zufüge) gegenübergestellt, da es für beide Fassungen gute Argumente gibt. Die letzte Version ist sozusagen auch das letzte Wort, welches Wagner mit seinen Erfahrungen der musikalischen Reife zu diesem Werk hatte. Aber auch hier gilt: Wagner wollte es wie beim "Tannhäuser" eigentlich noch einmal ganz neu komponieren.

V: De komende jaren keert u terug voor de tweede herneming van de nu al legendarische Amsterdamse Ring-productie. Wat zijn uw verwachtingen voor deze voorstellingenreeks? Bij de eerste herneming is een deel van de originele zangerscast vervangen. Bij de aankomende reprise zal vermoedelijk geen enkele zanger van de cast uit de jaren ’90 terugkeren. Beschouwt u dit als een voor- of nadeel?
Vor dem "Ring" komme ich ja auch noch für eine der ganz spektakulären Produktionen der Niederländischen Oper zurück: "Die Soldaten". Hier können wir tatsächlich noch auf eine weitgehend gleiche Besetzung zurückgreifen, was bei dem enormen Schwierigkeitsgrad des Werkes - ich halte es für den Dirigenten für die schwierigste Oper überhaupt und werde es wohl auch danach nicht mehr dirigieren - ein großer Vorteil ist.
Auf die "Ring"-Produktion freue ich mich sehr, da diese für mein Gefühl als "Gesamtkunstwerk" nirgendwo übertroffen wurde und um das Wagner-Jahr herum können wir die Einzel-Werke wie auch zwei Zykli anbieten. Tatsächlich wird sich die Besetzung in der Mehrzahl der Rollen ändern. Neue Sänger sind für Regisseur auch immer eine Chance aber ich gebe zu, dass einige der Sänger-Leistungen für mich unvergesslich sind (glücklicherweise sind beide Zykli auf Cd und DVD dokumentiert und inzwischen zahlreich ausgezeichnet worden). Da Meisterwerke viele Facetten haben, werden wir die Chance der neuen Besetzung nutzen und der Produktion andere Aspekte hinzufügen können.

VI: De door u gerealiseerde orkestklank in de Parijse Parsifal-productie werd alom geprezen. Zou u dit werk graag nog eens in Amsterdam uit willen voeren? Zijn er andere werken die u graag nog eens bij De Nederlandse Opera zou willen dirigeren?
Parsifal gehört sicher zu den Werken von Wagner, die ich bisher in den meisten Produktionen gemacht habe. Ich habe mir immer gewünscht mit Pierre Audi einen Parsifal zu machen. Das ist, obwohl es sogar schon einmal geplant war, leider bisher nicht geschehen. Ich bereite jetzt andere Neu-Produktionen in Brüssel und Kopenhagen vor. Aber es gibt schon noch Wünsche von Werken, die ich noch nicht in Amsterdam dirigiert habe: Lohengrin, Fidelio, Don Giovanni, Die Liebe der Danae und Amsterdam bin ich noch einen musikalisch ebenso guten "Tristan" schuldig, wie er 1988 war, aber in einer guten Produktion.