Diskographie

Bach, Johann Christian: Sinfonie g-moll Op. 6 Nr. 6; Mozart, Wolfgang Amadeus: Sinfonie Nr. 40 g-moll KV 550 (1. Fassung); Schubert, Franz: Sinfonie Nr. 5 B-Dur D 485 (Neuausgabe)

Kammerorchester C.Ph.E. Bach

SONY Classical SMK 93831, 1995

Enthaltene Werke

Mozart, Wolfgang Amadeus: Sinfonie Nr. 40 g-moll KV 550 (1. Fassung)

Bach, Johann Christian: Sinfonie g-moll Op. 6 Nr. 6

Schubert, Franz: Sinfonie Nr. 5 B-Dur D 485

Pressestimmen

Rezension von Daniel Röder (20.04.2005)

Interpretation: 4 Sterne
Klangqualität: 5 Sterne

Repertoirewert: 2 Sterne
Booklet: 3 Sterne


Bach, Johann Christian:
Symphonies

Worauf’s ankommt

"Es kommt nicht auf die Größe an. Wie oft haben wir das schon gehört und ganz ehrlich: Es stimmt. Es kommt nicht darauf an wie groß ein Orchester ist, wie viele Streicher und Bläser und Pauken versammelt sind, wenn es um die Energie, Kraft und Intensität geht, die ein Klangkörper entwickeln kann. Tatsächlich sieht es doch oft so aus, dass mit den kleineren Besetzungen die spannenderen Ergebnisse erzielt werden. Klar, wir reden hier nicht von Wagner oder (bewahre!) Varese, aber – und das ist wirklich keine neue Erkenntnis, aber es sein noch mal gesagt – einer klassischen Sinfonie hat ein schlanker Klang noch nie geschadet.
Das Kammerorchester Carl Philipp Emmanuel Bach hat zwischen historischer Aufführungspraxis und modernem Ensembleklang einen Mittelweg beschritten, der so aussieht, dass man auf der Grundlage textkritischer Erarbeitungen und Auseinandersetzung mit dem Werkgedanken auf modernen Instrumenten musiziert. Das Ergebnis ist ein ums andere Mal überzeugend und besticht durch hohe stimmliche Ausdifferenzierung und einen äußerst geschlossenen Zusammenklang.

Nun legt das Kammerorchester unter Hartmut Haenchen eine Live-Einspielung aus dem Jahre 1995 von Sinfonien aus der Feder von Johann Christian Bach, Wolfgang A. Mozart und Franz Schubert vor. Und entfesselt dabei eine außerordentliche klangliche Eindringlichkeit. Diese zeigt sich schon in den ersten Takten von Bachs Sinfonie Opus 6 Nr. 6 in g-Moll. Vor allem die dynamische Gestaltung und Ausdifferenzierung wäre in solchem Umfang mit einem großen Orchester wohl nur sehr schwer zu realisieren gewesen. Innerhalb weniger Noten schafft es das Kammerorchester vom eindringlich bewegten Piano zum kraftvollen Forte zu modulieren und dabei nicht etwa zu springen sondern gleichmäßig überzublenden. Die Gestaltung des zweiten Satzes gerät ebenso intensiv wie fein gestrickt, und den Schluss des kurzen wie aufbrausenden Allegro molto lässt Haenchen in solch dramatischem Dynamikabfall spielen, dass man als Zuhörer noch völlig in der packenden Atmosphäre des Werks auf eine Weiterführung wartet, die nicht mehr kommt.

Mozarts Sinfonie in g-Moll KV 550 zählt wohl zu den bekanntesten seiner Werke. Das Kammerorchester C.P.E. Bach hat sich für die ursprüngliche Version des Stückes entschieden, in der noch keine Klarinetten vorgesehen sind. Der insgesamt sehr schlanke Gesamtklang kommt auch hier wieder der Interpretation zu Gute, die zu keiner Zeit Gefahr läuft allzu romantisierend zu werden. Die Sinfonie, die gemeinhin als ‘die große g-Moll Sinfonie’ bekannt ist (was ok wäre, würde nicht dadurch Mozarts erste g-Moll Sinfonie zur ‘kleinen’ und damit viel weniger als sie ist), wird hier in absoluter Dramatik und Eindringlichkeit dargeboten und vor allen Dingen in einer Perfektion, dass man erst durch den anschließenden Applaus daran erinnert wird, dass es sich ja um eine Live-Aufnahme handelt.
Nach den beiden g-Moll Werken belässt man es nicht bei einem tragischen Ende, sondern beschließt die Aufnahme mit Schuberts fünfter Sinfonie in der parallelen Tonart B-Dur. Die einleitenden Motiven, voller Lebendigkeit und Bewegung, empfindet man nun fast schon als Er- bzw. Auflösung und so bildet dieses Stück einen gut gewählten Abschluss der CD. Sehr schön die lyrische und gänzlich unpathetische Gestaltung des zweiten Satzes.

Für die ganze CD gilt: Orchesterklang und -balance sind so ausgezeichnet, dass man des Öfteren vergisst, dass hier nicht im Studio eingespielt wurde. Hier hat man bei Sony ganze Arbeit geleistet. Ein glänzend aufgelegtes Kammerorchester Carl Philipp Emmanuel Bach unter einem zupackenden Hartmut Haenchen garantiert eine gute Stunde großartiger Sinfonik. Und darauf kommt’s doch schließlich an. "
www.klassik.com, 20. April 2005
... Hartmut Haenchen doit avoir joué au Metropolitan Atz de Tokyo, entre autres Johann Christian Bach, Schubert et Mozart... La soirée été sensationelle. Il en existerait un enrigstrement en dircet. ...

Matthias Zschocke
Courriers de Berlin, 20. Februar 2004