Diskographie

Gluck, Christoph Willibald: Ballettmusik aus Orfeo ed Euridice (Pariser Fassung 1774), Orfeo ed Euridice (Wiener Fassung 1762)

Kammerorchester C.Ph.E. Bach, Rundfunkchor Berlin mit Jochen Kowalski, Dagmar Schellenberger, Christian Fliegner

Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Vierteljahresliste 4/89, Gramophone Editors Choice, Gramophone Award Nomination 1990

als CD CAPRICCIO 60008-2, 1988

Enthaltene Werke

Gluck, Christoph Willibald: Ballettmusik aus Orfeo ed Euridice (Pariser Fassung 1774)

Gluck, Christoph Willibald: Orfeo ed Euridice (Wiener Fassung 1762)

Pressestimmen

Gluck's Orfeo ed Euridice: which recording should you buy?
Far more compelling is the recording directed by Hartmut Haenchen. His Orpheus is Jochen Kowalski, whose countertenor in the 1980s was nonpareil in its resonance and almostfeminine sensuousness. Kowalski is especially impressive in his scene with the Furies, building the intensity gradually to a searing final plea. The boy singing Cupid sings brightly and neatly, but characterises blankly, while Dagmar SchellenbergerErnst’s Eurydice is long on indignation, short on tenderness. With his penchant for extreme speeds and stabbing accents, Haenchen is a controversial conductor, excitingly urgent in the Furies scene...
Ganze Rezension hier
Gramophone, 01. August 2014
Der Kontra-Tenor Jochen Kowalski ist nicht nur die stilistisch richtige Besetzung, er leistet auch künstlerisch Überragendes. Auch Eurydike glänzt mit dramatischer Kraft. Das Orchester (...) fasziniert durch die gekonnte Balance, die Transparenz von Glucks Partitur, wie sie bisher kaum zu hören war (...).

Laszlo Molnar
Audio, 01. November 1989
(...) Fur den Dirigenten Hartmut Haenchen, der die unverfälschte Wiener Fassung spielt und die Ballettmusik der Pariser Fassung sozusagen als Zugabe gibt, bedeutet die Forderung "zurück zu den Quellen" nicht die Restaurierung des Originalklanges; sie ist Voraussetzung für eine moderne Interpretation. Das heißt: Der dramatische Ausdruck ist das oberste Gebot, er wird durchaus in romantischer Tradition mit viel Vibrato gesungen und musiziert. Obwohl alte Instrumente einbezogen werden, entspricht das Klangbild heutigen Hörgewohnheiten. (...) Doch da Haenchen den Hörer in keinem Augenblick aus der Spannung entläßt und zudem ausgezeichnete Vokalisten zur Verfügung hat, gerät seine Deutung in sich stimmig und überzeugend. (...)

Ekkehard Pluta
FONOFORUM, 01. November 1989
... die in diesem Falle mit Countertenor besetzte Titelpartie des Orfeo Glucks (italienischer) Partitur optimal. Jochen Kowalski, DDR Star jenes Ausnahmefaches, bot für das deutsch deutsche Gemeinschaftsprojekt eine ideale Möglichkeit.
...Was indes der auch technisch befriedigenden Einspielung über die quasi "Originalbesetzung" der Wiener Uraufführung hinaus maßgebliches Kolorit verleiht, ist, neben dem exzellenten Chor, der von Hartmut Haenchen mit profunder Kennerschaft betreute Instrumentalapparat. Die bis ins Detail wirkende Klangbelebung erfährt der Hörer bereits im Aufriß der festlichen Ouvertüre. Der Komponist hatte das Stück als in absoluter Musik konzipierte Hochzeitsfeier verstanden, während Raniero de Calzabigi, der Librettist dieser azione vorenthalten hatte. Würde und Größe von Glucks populärer Reformoper vermittelt der Dirigent im Sinne der nicht weniger reformerischen "Klangrede" Nikolaus Harnoncourts, die, ohne "Originalinstrumenten" Mode, längst auch aufs DDRTerritorium übergegriffen hat: unprätentiös, vital in der melodisch dramatischen Nachzeichnung, locker und treffsicher musiziert auch im Anhang der (Pariser) Balletteinlagen. Philologisch und künstlerisch ein gründlich erarbeitetes Produkt, das mit dem Rückgriff auf Glucks weitgefaßte Spieltechnik (wie etwa das Vibrato) und Klangfarbenakzentuierung einen neuen interpretatorischen Standort erkennen läßt.
Peter Fuhrmann
Ganze Rezension
Die Zeit, 13. Oktober 1989