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22. February 2005

Kulturstadt Dresden ohne Kultur?

Entgegen den Behauptungen einiger Befürworter der Waldschlößchen-Brücke werden die Folgekosten der Brücke erhebliche Einschnitte in der Kultur und anderen Bereichen verursachen. Pressekonferenz von Prof.H.Haenchen

Pressemitteilung
22.2.05

Prof. Hartmut Haenchen, Dirigent:
Verkehrszug Waldschlößchenbrücke
schädigt die Dresdner Kultur


Eine Erwiderung auf Dr. Hans-Joachim Brauns,
Sprecher der Bürgerinitiative Pro Waldschlößchenbrücke


Zweifellos ist eine moderne Infrastruktur von Bedeutung, damit unsere Stadt
für Investoren attraktiv ist. Wir haben auf diesem Gebiet viel erreicht.
Dresden ist aus allen Himmelsrichtungen erreichbar: Flughafen, Schiffe,
Eisenbahn und mehrere Autobahnen erlauben einen optimalen Zugang. Das zählt
im weltweiten Wettbewerb der Städte um Investoren. Dresden konnte u.a.
deshalb in der Vergangenheit große Erfolge verbuchen. Das zeigt, wie gut
unsere Infrastruktur ist. Dresden hat also keine schlechten Karten.

Was Dresden gegenüber anderen Städten heraushebt, ist die kulturelle
Ausstrahlung. Kultur ist einer der wichtigsten Standortfaktoren. Unsere
Stadt hat wegen des außerordentlichen Niveaus der Künste einen Namen in der
Welt. Wer an Dresden denkt, denkt zuerst an die edle Symbiose von
Landschaft und Stadt, erhöht durch Kunst, Kultur und Wissenschaft. Über
Jahrhunderte wurde diese Einzigartigkeit gepflegt. Millionen Menschen
besuchen deshalb unsere Stadt. Viele Arbeitsplätze vor allem in der
Tourismuswirtschaft sind davon abhängig. Dresden lebt also auch von seinem
positiven Image als Kulturstadt. Auch deswegen siedeln sich Investoren in
Dresden an.

Wir tragen vor aller Welt Verantwortung, um dieses Erbe zu schützen. Die
negativen Auswirkungen der letzten "Sparrunde" auf die Kultur sind zu
frisch, um sie zu vergessen. Es war eine Blamage für die Stadt.
Wir erinnern uns: Sogar Demonstrationen zum Erhalt des kulturellen Niveaus
waren nötig. Dresdens Image wurde schwer beschädigt. Schließlich wurden
75.000 Unterschriften für die Erhaltung der Kultur gesammelt. Dies zeigte
die positive Haltung der Dresdner zur Kultur.

Vor dem Hintergrund eines gigantischen städtischen Schuldenberges von ca.
900 Mio. Euro ist die geplante Neuverschuldung für den neuen Verkehrszug
unverantwortlich. Die Zinslast für diese Schuldenfalle beträgt jährlich ca.
40 Mio. Euro; die Tilgung beträgt jährlich ca. 33 Mio. Euro - Finanzmittel,
welche nicht nur der Kultur fehlen, denn diese Kosten belasten den
Verwaltungshaushalt, aus dem auch die Kulturausgaben finanziert werden. Und
weniger Kultur in der Stadt ist auch weniger Geld in der Stadt, wie
eindrucksvoll in der SZ vom 31.1. "Gelddrucken mit Musik" dargelegt wurde.
Es stimmt also nicht, dass die Brücke nur den Vermögenshaushalt belastet.
Die langfristigen Ausgaben müssen aus dem gleichen Haushalt kommen, wie die
Kultur.
Außerdem sei hier einmal die Frage gestattet: Wenn Politiker sich auf
bestehende Haushaltsregelungen berufen, wäre es doch an der Zeit, diese zu
überprüfen und die Kraft der gemeinsamen Politik auf vernünftigere
Haushaltsregelungen zu konzentrieren.

Im Wissen um jährliche Folgekosten für das eine Bauwerk, die vergleichbar
mit insgesamt sechs bestehenden Dresdner Brückenbauwerken sind, möchte ich
darauf hinweisen, dass diese Gelder ebenfalls aus dem Verwaltungshaushalt
gezahlt werden ? wie die Kultur.
Abgesehen davon, dass dieses gigantische Bauvorhaben verkehrspolitisch
umstritten wie kein zweites ist: Wir können uns dieses Straßenprojekt nicht
leisten. Es sei denn, auch auf Kosten der Kultur. Wer die offensichtlichen
Zusammenhänge zwischen Investitionshaushalt, Verwaltungshaushalt,
Neuverschuldung, Zinslast und Tilgungszahlungen zu Lasten der Kultur wider
besseren Wissens ignoriert und verschleiert, handelt gegen die Zukunft
unserer Stadt.

Der geplante Verkehrszug Waldschlößchenbrücke würde Dresdens Kultur weiter
schädigen. Am 27. Februar kann deshalb nur ein NEIN weiteren Schaden
verhindern.

Liebe Dresdnerinnen und Dresdner, bitte entscheiden Sie sich am 27. Februar
für die Kulturstadt Dresden, Sie entscheiden damit für eine gute Zukunft
Dresdens!


Prof. Hartmut Haenchen
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