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Eisler, Hanns: Kleine Sinfonie

Manuskript zu einen Einführungsvortrag mit Orchester für den Bayerischen Rundfunk

Stichworte zur Einführung in Hanns Eisler: Kleine Sinfonie
Von Hartmut Haenchen

Hanns Eisler 1898-1962

„Eisler ist die erste überragende schöpferische Persönlichkeit der deutschen sozialistischen Tonkunst!“ (Konzertbuch, DDR 1972) Schwierigkeiten, seine eigenen Werke aufzuführen, Streit mit der Parteiführung. (Im wichtigsten Konzertführer der 60er Jahre der in der Bundesrepublik erschien (Manfred Gräter, Konzertführer, Neue Musik) wird Eisler mit keinem Wort erwähnt.

In Leipzig geboren, studierte er nach dem ersten Weltkrieg in Wien bei Arnold Schönberg.
Einhergehend mit seinen ersten Erfolgen erkannte er, daß die spätbürgerliche Musikkultur sich immer mehr von den Menschen entfernte und er fand sich mit Bertold Brecht, Erich Weinert und Ernst Busch zusammen um Lieder für die große Masse zuschreiben.
Eisler mußte 1933 emigrieren und ging zunächst zu Brecht nach Dänemark, dann über Spanien. 1936 ging er nach den USA, komponierte, lehrte und schrieb Filmmusiken für Hollywood, die ausgezeichnet wurden. Nach Ablauf des Krieges wurde auch er vor das „Komitee zur Untersuchung unamerikanischer Tätigkeit“, wo er als „Marx der Musik“ bezeichnet wurde. Internationale Proteste halfen, daß er ausreisen durfte und übe Wien schließlich nach Berlin (1950) zurückkam.

Eisler war stilprägend (nicht nur als Lehrer in New York und Berlin). Es gab den sogenannten „Eisler-Stil“. Kurz, knapp, wirkungsvoll, auf das Wesentlich beschränkt.
So ist das auch mit der Kleinen Sinfonie. Dieses 1931/32 geschriebene Werk ist nach Eislers Worten „Ein Protest gegen das aufgeblasene, schwülstige neoklassizistische Musizieren“ (siehe Strawinski) Er wollte dagegen ein „scharfe, präzise Musik schreiben, die sich gewiß an Gefühle wendet, aber sie zu reinigen sucht“
Seine Tonsprache bezieht die thematische Arbeit der Klassiker 4.Satz Takt 23-33 auf 1 (ohne Bläser-Einsatz ), die Dodekaphonie seines Lehrers Schönberg (4. Satz Anfang bis Takt 3 1. 32tel)
Elemente des Jazz 3. Satz Anfang bis Takt 3 Trompete allein
Tonalität (1. Satz 154- 2. Satz Takt 1-3 )

und erweiterte Tonalität (1. Satz 2. Variation ),
Atonalität (1. Satz Variation 11 ) ein.
Eine musikalische Sprache von Aggresivität (1. Satz Variation 12 )
und Freundlichkeit (1. Satz 1. Variation ),
Kraft (4. Satz Takt 76 bis Schluß )
und Eleganz ( 2. Satz Takt 17 Klammer 2- Takt 21)
1.Satz: Trompete spielt eine 9-Tonreihe (die zur 12tönigkeit fehlenden drei Töne sind in den Streicherakkorden verborgen. (b,a,gis) (1. Satz Anfang nur Trompete bis Takt 6, dann Anfang nur Streicher ),
23 Variationen, wovon 10,12,16,18,19, 20 (nur Pauke 1.Satz Takt 125-128 1.Viertel) auf einem „Herzschlag“-Rhythmus beruhen, den wir heute auch noch bei Weber wiederfinden werden.
2.Satz Allegro assai witziges Thema der 1. Trompete (2. Satz Takt 2-5 nur Trompete)
Einbeziehung des Saxophons (2.Satz Takt 30 mit Auftakt –31 nur Ten. Sax) ,
Sostenuto stammt aus einem älteren Volksstück „Kamerad Kaspar“ (2.Satz Takt 22-24 Tutti)

3. Satz Parodie einer dreistimmigen Invention. Durch den Wau-wau-Däpfer wird jenes ironische Kolrit erzeugt, von dem Eisler einmal ironisch meinte, er habe es gebraucht „um die nötige Zartheit zu haben“. „Jazztrompete und –posaune imitieren und kritisieren die gefühlvollen Streicher.“ (3.Satz Takt 22-24 Tutti)
4. Satz Finale hier feiert Eislers Witz Triumphe (4. Satz Takt 15-22,Tutti).
Der Satz beginnt mit einer 12tönigen kompliziert verhäkelten Violineinleitung. ( 4. Satz Anfang bis Takt 13 auf 1 ( drei 32tel) nur Violinen.

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