FONOFORUM,
01. April 1992
Seite 37
lands Philharmonie Orchestra, Hartmut
Haenchen;
LaserLight/Delta-Music CD 14002 (WD:
54'01") DDD
Aufnahmedatum: 1991
Klangbild: Klar, weiträumig.
Fertigung: Einwandfrei.
Vergleichseinspielungen: Haitink (Phi-
lips CD 422 411-2), Inbal (Teldec CD
2292-42961-2).
Jede Neueinspielung dieser fast populären Sinfonie stößt auf besonderes Interesse, weil dieses Werk den Komponisten über
fast zwanzig Jahre immer wieder neu beschäftigte. Daraus resultierten drei verschiedene Fassungen: von 1873 (Wagner persönlich gezeigt und gewidmet), 1877 (gestrafft und von Wagner-Zitaten befreit) und 1889 (ungleichmäßig verkürzt und verändert), was man so von keiner anderen Bruckner-Sinfonie sagen kann. Bis heute gab man der letzten Version von 1889 den Vorzug. Erst 1950 erschien erstmals der Text der zweiten Fassung, der jetzt die musikalische Vorrangstellung eingeräumt wird (Haitink), falls man nicht auf die originae „Wagner-Sinfonie" zurückgreifen will (Inbal). Von daher ist es zu bedauern, daß der Dirigent sich für die dritte Fassung entschied, im anderen Fall wäre der Stellenwert dieser Edition höher zu veranschlagen. Durch überzeugende Tempowahl für jeden der vier Sätze betont Haenchen nachdrückich die Geschlossenheit des Werkes. Die gelungene Balance der ..Orchestergruppen schafft einen warmen, plastischen Orchesterklang, der dem Werk eindrucksvoll gerecht wird. Hieran sind insbesondere die Blechbläser beteiligt, die in den Gesamtklang gut integriert sind und nur bei wirklichen Soli hervortreten. Immer wieder begegnet man gut artikulierten Nebenstimmen, die wie neu gehört wirken. Die Intensität der Orchesterleitung führt oft zu berückenden Klängen. Im ersten Satz läßt der Dirigent sehr zu Recht das zweite Unisono-Thema besonders nachdrücklich ausspielen. Das herrliche Melos des Adagio wird durch die jedesmal arg verschleppte „Marienkadenz" leicht beschädigt. Brillant in Tempo und Kolorit erklingt das Scherzo. Am stärksten und geschlossensten wirkt - in stürmischem Tempo begonnen - der letzte Satz. In der Reihe gegenwärtiger (oft überflüssiger) Bruckner-
Veröffentlichungen meldet sich hier ein neues Team mit Niveau und Zuständigkeit zur Sache.
Dieter Weiss