Kammerorchester

Berliner Morgenpost, 11. Oktober 1995
Düstere Stimmung auf der unbewohnten Insel

Kammerorchester schwelgt in Moll-Tönen

Das Kammerorchester tat ein übriges, indem es Carl Philipps gewagte Ideen nicht beschönigte und mit geballter Energie dem Ende zusteuerte.

(...) In den Schatten gestellt wurde es von Haydns "Abschieds-Sinfonie", in der das Kammerorchester die düstere fis-Moll-Stimmung voll ausspielte und sogar dem Menuet jegliche Galanterie nahm.

Michael Horst
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. September 1992
Rundum ausgeglichene Leistungen halten schließlich zwei Neuveröffentlichungen von "Sturm-und-Drang"-Sinfonien mit dem "Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach" unter Hartmut Haenchen fest: (...) Spielerisch und stilistisch unanfechtbar sauber und insofern "klassische" Haydn-Interpretationen der modernen Art.
Luister, 01. August 1992
Viel Konkurrenz hat Haenchen mit seinem prächtigen Berliner Kammerorchester auf diesem Gebiet nicht zu fürchten, sicher nicht, wenn man von Aufnahmen mit authentischem Instrumentarium wie bei Hogwood oder Brüggen, absieht. Die aus verschiedenen Berliner Orchestern stammenden Musiker haben nicht nur eine beneidenswerte Kultur des Zusammenspiels aufgebaut, unter Leitung ihres Chefs haben sie auch ein ganz eigenes Klangbild entwickelt, wobei moderne Instrumente sehr effektiv und überzeugend für eine so "authentisch" wie mögliche Annäherung an die Musik eingesetzt werden. Haenchen ist kein Mann von halben Maßnahmen. Gründliche Quellenuntersuchungen sind für ihn ebenso selbstverständlich, wie die detaillierte Anwendung der erworbenen Kenntnisse für ein auf den Millimeter genau schlüssiges Ensemblespiel. Bei diesem Orchester vergißt man einfach, daß es sich eigentlich im Prinzip um ein ad-hoc-Formation handelt. Dazu kommt, daß die Musiker, neben ihrer gründlichen Vorbereitung und ihrem fachlichen Können eine enorme Spielfreude ausstrahlen. Auch Haenchen ist bestimmt kein "Kammergelehrter", der nur weiß, wie es sein sollte, nein, er läßt ohne Umschweife hören, wie es sein muß. Das sind einfach glänzende Ausführungen, mit einer großen Zahl prächtiger Details (die Hinzufügung der Cembalostimme in den früheren Sinfonien zum Beispiel: entzückendes Funkeln, welches in den richtigen Momenten etwas beleuchtet) und ein animierender Drive von A bis Z. Mit Spannungerwarten wir die Fortsetzung.

Roel van der Leeuw
FONOFORUM, 01. Juli 1992
Im besten Sinne klassisch.

Frisch, hell und leicht im Klang, gestisch ebenso differenziert wie dezidiert stellt Haenchen diese sechs Haydn-Sinfonien dar. Es handelt sich um Werke der Zeit des Reifens bzw. der sogenannten Sturm-und-Drang-Zeit. Haydn auf dem Weg zu sich selbst und die Sinfonie ebenfalls auf dem Weg zu sich selbst, zur vollgültigen Form: Erstmals bietet sie hier Raum für musikalische Konflikte, für den Ausdruck subjektiven Fühlens und Denkens. Haenchen arbeitet solche Konturen klar und im Detail jederzeit präsent heraus, stellt das Disperate gegeneinander- wobei er den klassischen Rahmen, den Ausdrucksradius der Haydn-Zeit sorgfältig wahrt. Das gilt auch für das Instrumentarium: Das Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach musiziert zwar auf modernen Instrumenten, aber in jener Besetzung, die von Haydn selbst überliefert worden ist (unter Verwendung eines Continuo-Cembalos). Damit will man einerseits den heutigen Hörgewohnheiten Rechnung tragen, andererseits jenen Eindruck zu rekonstruieren versuchen, den diese Sinfonien einst bei ihrer Uraufführung in Esterháza gemacht haben. Das vorliegende Ergebnis, gleichsam Quadratur des Kreises, überzeugt nicht zuletzt durch seine Selbstverständlichkeit: Keinerlei expressiv-subjektive Aufgesetztheiten, die den natürlichen Fluß der Musik trübten; keine extravaganten Überraschungseffekte, welche die Aufmerksamkeit nur auf den Moment zögen und vom Formganzen ablenkten. Eine ausgewogene, rundum kompetent realisierte, im besten Sinne klassische Haydn-Darstellung- was nicht zu verwechseln ist mit einer gemäßigt-geglätteten.

Werner Pfister  
De Telegraaf, 24. Mai 1989
Haenchens Kammerorchester von großer Klasse

Seit 1980 leitet der Dirigent Hartmut Haenchen ein Ostdeutsches Kammerorchester von außergewöhnlichem Format, daß sich viel früher in den Niederlanden hätte präsentieren sollen: Das Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach. Das Ensemble, welches sich selbst als Hauptaufgabe die Pflege der frühklassischen Musik gestellt hat, gab ein ebenso instruktives wie mitreißendes Konzert in der Amsterdamer Beurs van Berlage. Instruktiv, weil Haenchen durch tiefgehende Studien der musiktheoretischen Quellen des 18. Jahrhunderts und auch der originalen Manuskripte gründliche Kenntnis der Aufführungspraxis erworben hat und diese auch in seine Interpretation einbringt. Mitreißend, weil die gewonnenen Einsichten niemals Abbruch tun, an der Aussagekraft seiner Interpretationen.
So taucht Haenchen die für diese Zeit unerhört gewagten Strukturen von Haydns Abschiedssinfonie in ein blendend helles Licht. Der Kern seiner Ausführung liegt dabei - abgesehen von der extremen Dynamik, die wir auch aus seiner Beethoven-Interpretation kennen, in der Phrasierung. Musiktheoretiker des 19. Jahrhunderts haben oft verächtlich auf überflüssiges Füllmaterial im Klassischen Stil hingewiesen. Auch Mozart ist dergleichen vorgeworfen worden. Niemals werden Kritiker so einfach schachmatt gesetzt, denn Haenchen baut die musikalische Phrase mit solcher Andacht auf, daß niemals zweimal das Gleiche erklingt und der unbedeutendste Baustein zu einer musikalischen Perle geschliffen wird.

VIRTUOSEN
Natürlich kann Haenchen seine Aufgabe nicht vollbringen ohne die im Stehen spielenden Virtuosen von seinem Kammerorchester. Die Musiker reagieren auf die kleinsten Nuancen (...). Das Orchester ist berühmt geworden mit Werken des Komponisten, dessen Namen es trägt und in Bachs Flötenkonzert Wq 168 und der Sinfonie Wq 180 wird deutlich warum. Abgesehen von Eckart Haupts schön geblasener, etwas zu stark vibrierten Flötenpartie, war in dem ersten Werk das mit Dämpfern gespielte Largo von rührender, befremdender Schönheit. (...)

Bas van Putten

Haenchens Kamerorkest van grote klasse

Sinds 1980 leidt Dirigent Hartmut Haenchen een Oostduits kamerorkest van buitengewoon formaat, dat zich veel eerder in Nederland had moeten presenteren: her Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach. Het ensemble, dat zich heeft toegelegd op het pre-klassieke repertoire, gaf dinsdag een even instructief als meeslepend concert in de Amsterdamse Beurs van Berlage.
Instructief, omdat Haenchen door een diepgaande studie van achttiende-eeuwse theoretische bronnen en manuscripten een grondige kennis heeft verworven van oude uitvoeringspraktijken en de opgedane kennis ook in zijn vertolking verdisconteert. Meeslepend, omdat de verkregen inzichten nimmer afbreuk doen aan de zeggingskracht van zijn interpretaties.
Zo plaatst Haenchen de voor die tijd ongehoord gewaagde structuren van Haydns Abschieds-symfonie in fis in een verblindend helder licht. De kern van zijn muzikale betoog ligt daarbij, behalve in de extreme dynamiek die we ook van zijn Beethovenvertolkingen kennen, in de frasering. Negentiende-eeuwse muziektheoretici hadden er een handje van, verachtelijk te wijzen op de aanwezigheid van overtollig vulmateriaal in de klassieke stijl: zelfs Mozart is aan een dergelijke veroordeling niet ontkomen. Nooit werden de critici met zoveel gemak schaakmat gezet. Want Haenchen bouwt de muzikale frase met zoveel wijding op, dat niets tweemaal hetzelfde klinkt en de onbetekenendste bouwsteen tot een muzikale parel wordt geslepen.

VIRTUOZEN
Maar Haenchen kan zijn taak niet volbrengen zonder de staand spelende virtuozen van zijn kamerorkest. De musici reageren op de kleinste nuances (...). Het orkest heeft naam gemaakt met de componist aan wie het zijn naam ontleent en in Carl Philipp Emanuel Bachs Fluitconcert Wq 168 en de Symfonie Wq 180 werd nog eens duidelijk waarom. Afgezien van Eckart Haupts fraai geblazen, iets te dik gevibreerde fluitpartij, was in het eerste werk het gesordineerde Largo van een ontroerende, bevreemdende schoonheid. (...)

Bas van Putten
Het Parool, 23. Mai 1989
Gefühlvoller, langsamer Bach

(...) Haenchen wandelt interpretatorisch den goldenen Mittelweg. Er läßt sich von den Quellen der alten Spieltechniken inspirieren, doch gebraucht er moderne Instrumente. Es wird nach sehr alter Tradition stehend musiziert (...). Der faul in den Stuhl gefallene Hörer wurde aber an die Kante des Stuhles gezogen als die Gäste aus der DDR wie die rasenden Teufel durch den Furientanz von Gluck flogen. (...) Emanuel Bach zeigte sich vor allem als ein Meister der langsamen Sätze. In seinem empfindsamen Stil erreicht er mit einem Minimum an Mitteln ein Maximum an Expressivität. Haenchen und seine Musiker legten haarfein die kleinen Empfindsamkeiten in dieser Sinfonie (...) frei. Auch im Flötenkonzert Wq 168, wo das traurige Largo ein Fund erster Ordnung ist (...). Mit diesem sympathischen und überzeugenden Niederländischen Debüt wurde der 1. Jahrestag des Wangsaales gefeiert. (...)

Eddie Vetter

Gevoelige, langzame Bach

(...) Haenchen bewandelt de gulden middenweg. Hij laat zich wel inspireren door oude speeltechnieken, maar gebruikt toch moderne instrumenten. Er wordt naar zeer oude traditie staande gemusiceerd (...). De lui onderuit gezakte luisteraar kon echter terstond naar de punt van de stoel schuiven in de "Dans van de furien" van Gluck, waar de gasten uit de DDR als razende derwisjen doorheen vlogen. (...) Gisteren toonde Emanuel Bach zich vooral een kampioen van de langzame delen. In zijn ’gevoelige stijl’ bereikte hij met een minimum aan middelen een maximum aan expressiviteit. Haenchen en zijn musici legden haarfijn de kleine gevoeligheden bloot in de symfonie (...). Ook in het fluitconcert Wq 168 is het sombere Largo een vondst van de eerste orde (...). Met dit sympathieke en overtuigende Nederlandse debuut werd tevens de eerste verjaardag van de Wang Zaal gevierd. (...)

Eddie Vetter