Kammerorchester

Berliner Morgenpost, 18. Mai 2001
Anrührende Klänge wider das Vergessen

(...) ein Benefizkonzert für die Opfer und Verfolgten der SED-Diktatur (...) Gleichsam als Epitaph für die Gemarteten spielte das Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach unter Leitung von Hartmut Haenchen das von ihm für Streicher bearbeitete 15. Streicherquartett es-moll als "Requiem" op. 144 a von Dmitri Schostakowitsch. In ergreifender Schlichtheit und Intensität deuteten die Musiker es als ein tieftrauriges Lamento aus. Es gab wohl niemanden unter den Zuhörern, der davon unberührt blieb.

Um nicht in Beklemmung zu versinken, folgte mit Bachs Brandenburgischem Konzert Nr. 3 G-Dur BWV 1048 der Blick ins pralle Menschenleben. Die Wiedergabe war impulsiv und federnd; temporasant ging es in den Ecksätzen zu, die durch eine rauschende Cembalokadenz (Klaus Kirbach) getrennt waren. Mit anklagend harter Stimme rezitierten Christine Kugler und Susann Kloß betroffen machende Lyrik von Inhaftierten.

Tiefsinnig und beschwingt forschten die Musiker schließlich das Motto "Tempora mutantur" (Die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns mit ihnen) aus, unter dem Haydns Sinfonie Nr. 64 A-Dur steht. Ein passendes Gleichnis für die Historie.

bus
de Volkskrant, 19. Oktober 1996
Haenchen ist lebenswichtig für das Wohlergehen des NedPhO

Dank Haenchens Vermögen, auch die dünnsten Fäden spannend zu halten, blieb das Requiem eine beklemmende Erfahrung.

Es ist deutlich, daß Haenchen von großer Bedeutung für das Wohlergehen des Nederlands Philharmonisch Orkest ist. Die Niederländische Oper hat ein bedenkliches künstlerisches Risiko genommen, als sie seine Position als Chefdirigent auf Spiel setzte. Wenn er deswegen sein Heil irgendwo anders sucht, können Orchester und Oper in große Probleme kommen.

Frits van der Waa