25. Oktober 1995
Bach, Johann Sebastian: Interview Bach-Schostakowitsch
Gespräch mit Bas van Putten über Inhalt und Interpretation und Programmgestaltung und Haltungen im persönlichen und politischen Leben
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Bach - Schostakowitsch
Interview mit Bas van Putten
Ich suche immer inhaltlich motivierte Programme. Und es gibt eine deutliche kompositorische Verbindung zwischen Bach und Schostakowitsch, nicht nur wegen des Gebrauchs der jeweiligen Mottothemen b-a--c-h und d-es-c-h. Für mich war es deshalb interessant, in diesem Kammerorchesterprogramm eine passende Kombination ihrer Werke zu finden. Bei Schostakowitsch ging das schnell. Es gibt nur die Kammersinfonien für Streicher (als Bearbeitungen) und die 14. Sinfonie in dieser Besetzung.
Die drei letzten Sinfonien von Schostakowitsch beschäftigen sich mit dem Tod, aber auf verschiedene Weisen. Die 13. behandelt den Tod von Anderen,…
12. März 1996
Reimann, Aribert: Lear
„Lear“ oder „Von der Notwendigkeit der Musik“.
Beitrag für die ÖZM, später ergänzt
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„Lear“ oder „Von der Notwendigkeit der Musik“
Selten sind Werke in unserem Jahrhundert über die Uraufführung hinaus so oft nachgespielt worden wie Aribert Reimanns „Lear“. Wurde auch anfangs kritisch vermerkt, daß die Musik im schlechten Sinne „Hörspielmusik“ sei, so hat sich gerade hier bei näherem Hinhören und Hineinlesen in die Partitur gezeigt, daß die Kraft des Werkes in der Komposition liegt und es auch dem Librettisten Claus H. Henneberg nicht darum ging, vordergründig Shakespeares Stück zu sehen, so streng er sich trotz aller notwendigen Kürzungen an das Original bzw. seine unromantische, harte und klare Übersetzung von Eschenburg gehalten hat. Das gemeinsame Anliegen war,…
01. August 1970
Notation von zeitgenössischer Musik
aus: Musik und Gesellschaft
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Notation von zeitgenössischer Musik
(in: Musik und Gesellschaft)
In einer Zeit, in der nicht nur zeitgenössische Musik gespielt wird, sondern im allgemeinen Konzertleben Werke aus mindestens 5 Jahrhunderten erklingen, wird die heutige Inflation der Notenschrift zum echten Hinderungsgrund, die neue Musik ihrer Wertigkeit entsprechend aufzuführen. Bei einer Vielzahl von neueren Werken wird allein für die "Gebrauchsanweisung" ein wesentlicher Teil der immer nur begrenzten Probenzeit benötigt, lenkt vom Wesen der Musik entscheidend ab und schränkt die Musizierbereitschaft ein.
Unter diesen in der Praxis immer wieder erlebten Umständen können die Forderungen von Armin Köhler nicht…
20. Juni 1998
Webern, Anton: Orchesterstücke Op. 6
Manuskript zur Einführung (Schleswig-Holstein-Musik-Festival, 1997)
Anton Webern
Freund und Schüler Schönbergs
Anfang seines Schaffens sehr unter dem Einfluß Schönbergs
In der mittleren Schaffensperiode wozu auch die Orchesterstücke Op. 6 gehören findet er seinen eigenen uverwechselbaren Stil.
In der freien Tonalität erreicht er seinen aphoristischen Stil unter Einbeziehung der Klagfarbenmelodie.
Zwei Beispiele aus dem Anfang des 1.Satzes
1.Satz Anfang a.)hintereinander nur Flöte, nur Trompete, nur Celesta
b.) Tutti
Etwas später verfolgen wir eine weitere Klangfarbenmelodie
1.Satz Takt 8 a.) nur Baß-Klarinette und Fagotte fortgesetzt Takt 10
von Cello,Baß
Webern beschrieb den Vorgang der Abwendung von der Tonalität: so wie die reife Frucht vom Baum fällt, hat die Musik ganz einfach auf das Prinzip der Tonalität…
08. Mai 2002
Berg, Alban: Lulu
Stichworte zu einem frei gehaltenen Vortrag mit Musikbeispielen
Manuskript zum Vortag zu Alban Berg: Lulu von Hartmut Haenchen
Lulu (h-f= Hanna Fuchs)
Oper in (drei) Akten Oper über die Scheinmoral sich in Sicherheit wiegender Bürger.
Die Klingel im Orchester wird zum akustischen Alarmsignal: Sachtung, es erfolgt eine Verwandlung im Eros-Todes-Reigen
Lulu: Sie ist ein Mythos. Und sie ist Wirklichkeit. Und Lulu ist stets beides in einem. Lulu ist eine erotische und mythische Urgestalt in immer neuen Kostümen und Erscheinungen, beobachtet auf Stationen, die ineinander übergehen: auf dem Weg vom Eros zum Tod.
Der Prolog ist ein Schöpfungsmythos, der erste Akt eine Boulevardkomödie, der zweite Akt ein erotisches Karusell, ein makabrer Totentanz. Der dritte Akt mit Paris als Durchgangsstation bis ihr Leidensweg in einer Londoner Mansarde als…
02. Februar 1994
Berg, Alban: Wozzeck
Manuskript zu einem frei gehaltenen Einführungsvortrag mit Musikbeispielen
Manuskript zum Vortrag zu Alban Berg: Wozzeck von Hartmut Haenchen
1.) Die Geschichte
Am 21.Juni 1821 ersticht Woyzeck in Leipzig seine Geliebte Johanna Christiane Woost in einer Mischung aus "Arbeitslosigkeit, Hunger, Erniedrigung aller Art, Haß und Eifersucht"
Er wird verhaftet und auf den Hinweis seines früheren Zimmerwirtes hin, er habe "Wahnvorstellungen" gehabt, gerichtsärztlich untersucht. Die erste Untersuchung ergibt: Er ist nicht Wahnsinnig. 1822 wird durch ein zweites Urteil die Todestrafe bestätigt. Ein wissenschaftlicher und gerichtlicher Streit über die Zurechnungsfähigkeit zieht sich bis 1824 hin. Schließlich wird er am 27.August auf dem Marktplatz in Leipzig öffentlich hingerichtet.
Acht Jahre vor der Tat wurde Georg Büchner (am 17.10.1813) geboren.
Da der…
05. Mai 2003
Zimmermann, Bernd Alois: Die Soldaten
Manuskript zum frei gehaltenen Einführungsvortrag mit Musikbeispielen
Bernd Alois Zimmermann 20.März 1918-1970
5 Ballette, 1 Oper, 3 Orchesterwerke, 7 Konzerte, 3 Kantaten, 4 Kammermusikwerke, 3 Solosonaten, 8 Lieder, umfangreiche Klaviermusik, elektronische Musik,, Bühnenmusiken. Hörspielmusiken, Filmmusiken
Beethoven war unspielbar
Brahms war unspielbar
Tschaikowski war unspielbar
Auch der UA-Dirigent fand, dass Zimmermann „zu viel“ verlangte
Zimmermann an Gielen. „Es gibt Aufführungen, die einfach stattfinden müssen, selbst unter schwersten Umständen, weil der Zeitpunkt der Ausführung von elementarer Bedeutung für das geistige Fortbestehen des Komponisten ist
Zimmermann über die Soldaten:
„Oper als Anachronismus anerkennen“, da ist die Frage, wie man den Begriff Anachronismus definiert: Als falsche zeitliche Einordnung, oder als…
02. November 2002
Eisler, Hanns: Kleine Sinfonie
Manuskript zu einen Einführungsvortrag mit Orchester für den Bayerischen Rundfunk
Stichworte zur Einführung in Hanns Eisler: Kleine Sinfonie
Von Hartmut Haenchen
Hanns Eisler 1898-1962
„Eisler ist die erste überragende schöpferische Persönlichkeit der deutschen sozialistischen Tonkunst!“ (Konzertbuch, DDR 1972) Schwierigkeiten, seine eigenen Werke aufzuführen, Streit mit der Parteiführung. (Im wichtigsten Konzertführer der 60er Jahre der in der Bundesrepublik erschien (Manfred Gräter, Konzertführer, Neue Musik) wird Eisler mit keinem Wort erwähnt.
In Leipzig geboren, studierte er nach dem ersten Weltkrieg in Wien bei Arnold Schönberg.
Einhergehend mit seinen ersten Erfolgen erkannte er, daß die spätbürgerliche Musikkultur sich immer mehr von den Menschen entfernte und er fand sich mit Bertold Brecht, Erich Weinert und Ernst Busch zusammen um Lieder für die…
12. September 2016
Uraufführung zu den Schütz-Tagen: Die Sintflut von Willy Burkhard
Beitrag: MUSIKER ERINNERN SICH AN ZEITGENÖSSISCHE CHORMUSIK AUS IHRER KRUZIANERZEIT
Kreuzchor-Schriften Band 2. Hrsg. Seite 16
Noch druckfrisch waren die Partituren, als wir am Ende eines übervollen Schuljahres ein Werk in die Hände bekamen, welches für mich eine gewaltige Herausforderung in mehrfachem Sinne war: Obwohl wir vom ersten Tag, den ich im Kreuzchor verbrachte, eigentlich wöchentlich mit der neueren und neuesten Chormusik vertraut gemacht wurden, bedeutete die Vorbereitung auf die Uraufführung der Sintflut des Schweizer Komponisten Willy Burkhard am 3. Juli 1955 einen Meilenstein. Das Werk ist auf Texte aus dem 1. Buch Mose als Kantate für Chor a cappella konzipiert.
Gerade hatte ich Rudolf Mauersberger meine Klavierfantasie in c-Moll vorgespielt, die sich stilistisch in einer merkwürdigen Mischung zwischen Schütz und Liszt befand, da kam diese…